Was laut aktueller Studienlage tatsächlich sinnvoll sein kann
Kollagen ist längst mehr als ein Trend. Ob als Pulver, Kapsel, Creme oder Serum – kaum ein anderer Inhaltsstoff ist im Bereich Hautpflege so präsent.
Doch eine Frage sorgt immer wieder für Diskussionen:
Ist es sinnvoller, Kollagen einzunehmen oder auf die Haut aufzutragen?
Die kurze Antwort lautet: Beide Ansätze verfolgen unterschiedliche Ziele.
Während oral eingenommene Kollagenpeptide im Körper verarbeitet werden und systemisch wirken können, entfalten Kollagencremes ihre Wirkung vor allem an der Hautoberfläche.
Ein Blick auf die aktuelle Studienlage zeigt, warum diese Unterscheidung wichtig ist.
Hinweis: Dieser Artikel fasst die aktuelle wissenschaftliche Studienlage zu oralen und topischen Kollagenanwendungen zusammen. Er ersetzt keine medizinische Beratung und enthält keine gesundheitsbezogenen Aussagen im Sinne zugelassener Health Claims.
Kollagen zum Trinken: Was die Forschung bisher zeigt
Orale Kollagenpräparate bestehen meist aus hydrolysierten Kollagenpeptiden. Durch die Aufspaltung in kleinere Peptide können sie nach der Verdauung aufgenommen und im Körper weiterverarbeitet werden.
In den vergangenen Jahren wurde dieser Ansatz in zahlreichen klinischen Studien untersucht.
Positive Ergebnisse in vielen Studien
Eine systematische Übersichtsarbeit mit 26 randomisiert-kontrollierten Studien und insgesamt 1.721 Teilnehmerinnen und Teilnehmern zeigte signifikante Verbesserungen der Hautfeuchtigkeit und Hautelastizität gegenüber Placebo. Besonders deutlich waren die Effekte nach einer regelmäßigen Einnahme über mehr als acht Wochen.
Auch eine Umbrella-Review aus dem Jahr 2026, die 16 systematische Übersichtsarbeiten mit insgesamt 113 randomisiert-kontrollierten Studien zusammenfasste, kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Die Autoren berichten über konsistente Verbesserungen der Hautelastizität und Hautfeuchtigkeit.
Warum man die Studien trotzdem kritisch betrachten sollte
So vielversprechend diese Ergebnisse auch wirken – die Datenlage ist nicht völlig eindeutig.
Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2025 berücksichtigte ausschließlich Studien mit hoher methodischer Qualität sowie ohne Herstellerfinanzierung.
Dabei zeigte sich:
Für Hautfeuchtigkeit, Elastizität und Faltentiefe ließ sich kein statistisch signifikanter Vorteil gegenüber Placebo nachweisen.
Das bedeutet nicht automatisch, dass Kollagen wirkungslos ist.
Es zeigt jedoch, wie wichtig Studienqualität, Studiendesign und mögliche Interessenkonflikte bei der Bewertung wissenschaftlicher Ergebnisse sind.
Die aktuelle Evidenz spricht insgesamt eher für einen möglichen Nutzen – allerdings mit einer gewissen Zurückhaltung und realistischen Erwartungen.
Kollagencremes: Warum die Molekülgröße entscheidend ist
Bei Kollagen zum Auftragen stellt sich eine grundsätzliche Frage:
Kann Kollagen überhaupt durch die Haut gelangen?
Hier spielt die Molekülgröße eine entscheidende Rolle.
Intaktes Kollagen ist zu groß
Normales Kollagen besitzt ein Molekulargewicht von rund 300 kDa.
Damit ist das Molekül zu groß, um die Hornschicht der Haut (Stratum corneum) nennenswert zu durchdringen.
Aus diesem Grund enthalten viele Cremes hydrolysiertes Kollagen.
Hydrolysiertes Kollagen wirkt vor allem an der Oberfläche
Auch kleinere Kollagenpeptide gelangen nach aktuellem Wissensstand nur begrenzt in tiefere Hautschichten.
Ihre wichtigste Funktion besteht deshalb darin,
- Wasser zu binden,
- die Hautoberfläche mit Feuchtigkeit zu versorgen
- und die Haut kurzfristig glatter erscheinen zu lassen.
Sie wirken somit in erster Linie als sogenannte Humektantien – also als feuchtigkeitsbindende Inhaltsstoffe.
Was direkte Vergleichsstudien zeigen
Besonders interessant sind Studien, die beide Anwendungsformen direkt miteinander vergleichen.
In einer Untersuchung mit 60 Frauen zwischen 40 und 50 Jahren zeigte sich ein differenziertes Bild.
Topische Anwendung
Bereits nach 28 Tagen verbesserten sich:
- der Feuchtigkeitsgehalt der Hornschicht
- die Hautelastizität
Orale Einnahme
Nach etwa 90 Tagen wurden dagegen stärkere Veränderungen beobachtet bei:
- der Dichte der Dermis (tieferen Hautschicht)
- der Porengröße
Die Autoren kamen deshalb zu dem Schluss, dass sich beide Ansätze nicht ausschließen, sondern sich aufgrund ihrer unterschiedlichen Wirkmechanismen sinnvoll ergänzen können.
Nicht jede Studie findet einen Vorteil
Auch hier lohnt sich ein genauer Blick auf die gesamte Evidenz.
Eine Studie mit postmenopausalen Frauen und fortgeschrittener Hautalterung (Dermatoporose) untersuchte die orale Einnahme, die topische Anwendung sowie die Kombination beider Ansätze.
Nach sechs Monaten zeigte sich gegenüber Placebo kein signifikanter Unterschied.
Das verdeutlicht erneut:
Die Wirkung hängt vermutlich von verschiedenen Faktoren ab – unter anderem vom Alter, dem Ausgangszustand der Haut und dem jeweiligen Studiendesign.
Warum es keinen zugelassenen Health Claim gibt
Trotz zahlreicher Studien existiert für Kollagenpeptide derzeit kein von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zugelassener Health Claim.
Das gilt unabhängig davon,
- ob Kollagen oral oder topisch verwendet wird,
- welche Kollagenquelle genutzt wird
- oder welche Marke dahintersteht.
Zusätzlich stellte der Bundesgerichtshof mit Urteil I ZR 135/24 vom 09.10.2025 klar, dass Beauty-Aussagen ohne zugelassenen Health Claim rechtlich nicht zulässig sind.
Deshalb dürfen Hersteller beispielsweise nicht behaupten, dass Kollagenprodukte:
- die körpereigene Kollagenproduktion anregen,
- Falten reduzieren
- oder die Haut sichtbar verjüngen.
Diese Transparenz ist wichtig – auch wenn einzelne Studien durchaus interessante Ergebnisse zeigen.
Was bedeutet das für die Praxis?
Die aktuelle Studienlage spricht dafür, beide Anwendungsformen unterschiedlich zu betrachten.
Orale Kollagenpeptide
Sie werden im Körper aufgenommen und könnten systemisch wirken.
Die Forschung zeigt insgesamt vielversprechende Ergebnisse – auch wenn hochwertige, unabhängige Studien teilweise zurückhaltender ausfallen.
Kollagencremes
Sie wirken vor allem an der Hautoberfläche.
Dadurch können sie den Feuchtigkeitsgehalt der Haut verbessern und kurzfristig für ein glatteres Hautbild sorgen.
Für tiefere strukturelle Veränderungen reicht ihre Wirkung nach heutigem Kenntnisstand vermutlich nicht aus.
Unsere Einordnung
Für die orale Versorgung setzen wir auf Bioactive Collagen Triple Power & Glow mit den bioaktiven Kollagenpeptiden FORTIGEL® und VERISOL®.
Wichtig ist uns dabei eine transparente Kommunikation:
Die Studienlage zu diesen Kollagenpeptiden ist vielversprechend, sie begründet jedoch keinen zugelassenen EU-Health-Claim.
Bei der äußeren Hautpflege verfolgen wir deshalb einen anderen Ansatz.
Statt auf Kollagencremes setzen wir bewusst auf Inhaltsstoffe mit gut untersuchten kosmetischen Eigenschaften.
Unsere Skin Bling Cream kombiniert unter anderem:
- Coenzym Q10
- Niacinamid
- Panthenol
- Biotin
- Allantoin
Für alle, die eine leichtere Textur bevorzugen, bietet Skin Bling Fluid dieselbe Wirkstoffphilosophie in einer fettfreien Formulierung.
Beide Produkte verstehen wir als Ergänzung einer umfassenden Hautpflege – nicht als Ersatz für eine ausgewogene Ernährung oder eine orale Kollagenversorgung.
Fazit: Trinken oder cremen?
Die ehrlichste Antwort lautet:
Beides kann sinnvoll sein – allerdings aus unterschiedlichen Gründen.
Die aktuelle Studienlage deutet darauf hin, dass orale Kollagenpeptide langfristig eher systemische Effekte entfalten können, während Kollagencremes vor allem die Hautoberfläche mit Feuchtigkeit versorgen.
Entscheidend ist dabei eine realistische Erwartungshaltung.
Kollagen ist kein Wundermittel.
Wer Hautgesundheit langfristig unterstützen möchte, profitiert meist von einem ganzheitlichen Ansatz aus:
- ausgewogener Ernährung
- ausreichend Protein
- Sonnenschutz
- gutem Schlaf
- und einer konsequenten Hautpflege.